Inhaltsverzeichnis
- Cover
- 1. Einleitung
- 2. Auswirkungen des SchwimmlehrerInnen-Mangels
- 3. Ursachen des SchwimmlehrerInnen-Mangels
- 4. Lösungsansätze und Perspektiven
- 5. Fazit und Ausblick
- Literaturverzeichnis
„Welche Auswirkungen hat der SchwimmlehrerInnen-Mangel auf die Kinder im Elementarbereich (3-6 Jahre)“ und
„Welche Ursachen gibt es für den SchwimmlehrerInnen-Mangel und welche Herausforderungen entstehen dadurch?“
von Martin L. N.
Berufliche Schule Hamburg-Harburg BS18
Bildungsgang: Umschulung zum Erzieher
Klasse: FSU24-8a
Hausarbeit
1. Einleitung
Schwimmen ist eine grundlegende Lebenskompetenz, die nicht nur die Sicherheit im Wasser erhöht, sondern auch die motorische und soziale Entwicklung von Kindern fördert. In Deutschland gibt es immer weniger qualifizierte SchwimmlehrerInnen, was Konsequenzen hat, auch für Kinder im Vorschulalter. Diese Hausarbeit untersucht die Ursachen und Auswirkungen des SchwimmlehrerInnen-Mangels auf Kinder dieser Altersgruppe sowie die daraus resultierenden Herausforderungen.
2. Auswirkungen des SchwimmlehrerInnen-Mangels
2.1 Bedeutung von Schwimmen fĂĽr Kinder
Schwimmen ist eine grundlegende Fähigkeit, die jede Person beherrschen sollte. Schwimmen ist nicht nur wichtig, um sich sicher im Wasser bewegen zu können, sondern fördert auch die körperliche Fitness und Gesundheit. Zudem bietet Schwimmen viele Möglichkeiten, sozial aktiv zu sein. (Cornelsen, 2023).
„Es eröffnet Sozialisationsräume vom Wettkampf- bis hin zum Leistungs- und Spitzensport, aber auch als Übungsleiter, Kampfrichter, anderweitig ehrenamtlich Engagierter oder als Rettungsschwimmer. (Morgenroth, Rupieper, 2023, S. 1)“.
Wie wichtig Schwimmen ist wird besonders von der DLRG hervorgehoben: „Ein Kind stirbt nicht, wenn es nicht Fußball spielen kann. Ein Kind kann aber sterben, wenn es nicht schwimmen kann“ (Trauthig, 2014).
2.2 Eingeschränkter Zugang zu Schwimmunterricht
Der Mangel an SchwimmlehrerInnen führt dazu, dass viele Kinder keinen Zugang zu Schwimmkursen haben. Die Zahl der Kinder, die am Ende ihrer Grundschulzeit nicht sicher schwimmen können, ist durch pandemiebedingte Einschränkungen deutlich gestiegen (Schneckenburger, Vorholz, Lübking. 2023, S. 3f). Dies belegen auch Zahlen des DLRG basierend auf einer Bevölkerungsbefragung von forsa im Jahr 2022. (vgl. DLRG, 2022). Besonders dramatisch zeigt sich die Lage auch in Hamburg, wo laut der DLRG in einigen Bezirken Wartelisten abgeschafft wurden, da diese mit bis zu 500 wartenden Personen organisatorisch nicht mehr abzuarbeiten waren (E-Mail, DLRG Hamburg, 2024).
2.3 Erhöhtes Risiko und langfristige Folgen
Menschen und vor allem auch Kinder, die keinen Schwimmunterricht erhalten, sind einem größeren Risiko ausgesetzt, im Wasser zu verunglücken.
„2022 sind in Deutschland mindestens 355 Menschen ertrunken, ein Plus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unter den Todes-fällen waren auch 20 Kinder im Alter bis zu zehn Jahren. Die hohe Zahl erklärt sich auch dadurch, dass Menschen, die nicht schwimmen können, deswegen nicht automatisch dem Wasser fernbleiben.“ (Ruf, 2023).
Zudem holen Erwachsene, die als Kinder nicht richtig oder gar nicht schwimmen gelernt haben, dies später nur selten nach. Mit steigendem Alter sinkt die Bereitschaft, Schwimmen richtig zu lernen, erheblich (Trauthig, 2014).
3. Ursachen des SchwimmlehrerInnen-Mangels
3.1 Berufliche Attraktivität
Der Beruf SchwimmlehrerIn ist oft wenig attraktiv. Niedrige Vergütung, unsichere Arbeitsbedingungen und fehlende Aufstiegschancen tragen dazu bei, dass sich wenige Menschen für diesen Job entscheiden, vor allem nicht in Vollzeit. Zudem haben unsichere Zukunftsaussichten dazu geführt, dass viele qualifizierte SchwimmlehrerInnen den Beruf gewechselt haben. (vgl. Kroll, 2022) Laut der DLRG Hamburg besteht ein grob geschätzer Bedarf an etwa 50 weiteren AusbilderInnen, um den Kursbedarf zu decken (E-Mail, DLRG Hamburg, 2024).
3.2 Pandemiebedingte Auswirkungen
„Die coronabedingten Schließungen und die aktuell unsicheren Zukunftsaussichten führen mithin dazu, dass sich das qualifizierte Bäderpersonal teilweise beruflich umorientiert.“ (Schneckenburger, Vorholz, Lübking. 2023, S. 5).
Die Corona-Pandemie hat den SchwimmlehrerInnen-Mangel zusätzlich verschärft. Während der langen Schließungen von Schwimmbädern konnten weder RettungsschwimmerInnen noch SchwimmlehrerInnen weitergebildet werden.
„Auch die Ausbildung von ehrenamtlichen Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmern hat stark unter den Bäderschließungen gelitten. Für den Schwimmunterricht kam hinzu, dass schulisches Lehrpersonal aufgrund der geschlossenen Bäder keine Möglichkeit hatte, die eigene Rettungsfähigkeit zu aktualisieren bzw. nachzuweisen. Somit konnten manche Lehrerinnen und Lehrer den Schwimmunterricht auch dann nicht durchführen, wenn ein Bad bereits wieder geöffnet war.“(Schneckenburger, Vorholz, Lübking. 2023, S. 3f).
3.3 Strukturelle Probleme
Viele Schwimmbäder sind veraltet und sanierungsbedürftig. Laut der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände liegt der Investitionsstau für Schwimmbäder in Deutschland bei etwa 8,5 Milliarden Euro (vgl. Schneckenburger, Vorholz, Lübking. 2023, S. 2). Auch die Energiekrise trägt ihren Teil zur Verschärfung des Problems bei. Durch die Mehrkosten für Gas und Strom fehlen an anderer Stelle die nötigen finanziellen Mittel.
Ca. 90 % der Bäder in Deutschland nutzen den Energieträger Gas zur Wärmeerzeugung und weisen durch die notwendige Umwälztechnik für Luft und Wasser hohe Stromverbräuche auf. Die stark gestiegenen Preise für Gas und Wärme sowie Strom sind für Bäder daher besonders kritisch. (Schneckenburger, Vorholz, Lübking. 2023, S. 4).
4. Lösungsansätze und Perspektiven
4.1 Ausbau der Schwimmlehrer-Ausbildung
Um dem Personalmangel in Schwimmbädern zu bekämpfen, sind verschiedene Maßnahmen nötig. Eine Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung zur Aus- und Fortbildung in Bäderbetrieben ist ein wichtiger Schritt, wird aber kurzfristig keine Lösungen bringen. Deshalb ist es besonders wichtig, den Beschäftigten sichere Perspektiven zu bieten. Maßnahmen wie finanzielle Unterstützung für Schwimmbäder sollen nicht nur den Betrieb sichern, sondern auch zeigen, dass die Zukunft der Bäder ernst genommen wird. Zusätzlich braucht es Programme, um neues Personal zu gewinnen und die Arbeitsplätze attraktiver zu machen. (vgl. Schneckenburger, Vorholz, Lübking. 2023, S. 2) Die DLRG hat in diesem Bereich bereits mehrere Initiativen gestartet, um dem Mangel entgegenzuwirken. In Hamburg wurde beispielsweise die Kampagne “Welle machen – Schwimmlehrer für Hamburg gesucht!” erfolgreich abgeschlossen. Die Aktion vom NDR Hamburg gemeinsam mit der DLRG Hamburg, “Hamburg Active City” und Bäderland, hat erfolgreich 80 neue SchwimmlehrerInnen ausgebildet. Diese erhielten ihre Zertifikate in der Schwimmhalle Inselpark in Wilhelmsburg. Die Resonanz auf den Aufruf war sehr positiv, über 850 Menschen haben sich für die Aktion beworben. (vgl. NDR, 2024).
4.2 Verbesserung der Arbeitsbedingungen
Nicht die Wasserfläche oder die Sanierung sind die prioritären Herausforderungen der Bedarfsdeckung, sondern das Personal. Der Fachkräftemangel war schon vor der Corona-Pandemie ein Problem. […] Mit Blick auf den Mehrwert, den Bäder für den öffentlichen Sport und die Gesundheit, aber auch für das soziale Miteinander der Bevölkerung leisten, sind Attraktivierungsmaßnahmen für die Mitarbeiter*innen sowie Möglichkeiten des Quereinstiegs dringend notwendig. (IAKS, 2023, S. 2).
Die Arbeitsbedingungen für SchwimmlehrerInnen und RettungsschwimmerInnen sind häufig wenig attraktiv, was viele abschreckt. Vor der Corona-Pandemie gab es verlässliches Stammpersonal, das jeden Sommer wiedergekommen ist. Viele dieser Fachkräfte haben jedoch während der Pandemie andere Berufe ergriffen, da sie keine Perspektiven mehr in diesem Bereich gesehen haben. Ein weiteres Problem ist die geringe Attraktivität der Arbeitsplätze. Junge Menschen haben heute die Wahl zwischen vielen Nebenjobs, und die Tätigkeit als RettungsschwimmerInnen gehört aufgrund der langen Arbeitszeiten und niedrigen Löhne nicht zu den beliebtesten.
“Hier arbeiten heißt Dienst schieben, wenn die Freunde freihaben”, sagt Bull. Zudem sei beim Stundenlohn für eine ungelernte Kraft nicht mehr drin als 13,70 Euro, eine Monatskarte für den Nahverkehr und Freikarten für die Familie.(Kroll, 2022).
4.3 Investitionen in Schwimmbäder
Die Sanierung und Modernisierung von Schwimmbädern erfordert ein langfristiges Investitionsprogramm welches von Bund, Ländern und Kommunen gemeinsam getragen werden sollte. Ein solches Programm sollte bürokratiearm sein und den Kommunen Planungssicherheit bieten. Des weiteren sind Hilfen zur Bewältigung der hohen Energiekosten nötig, sodass auch große Schwimmbäder in der Lage sind diese zu stemmen. Sonst können sie im schlimmsten Falle bei den stark gestiegenen Energiepreisen nicht weiter betrieben werden. Langfristig braucht es zudem eine sichere Finanzierung für Schwimmbäder. Ein Beispiel ist das Modell in Schleswig-Holstein: Dort geben die Bundesländer jedes Jahr Geld an die Kommunen, damit die Schwimmbäder erhalten bleiben. (vgl. Schneckenburger, Vorholz, Lübking. 2023, S. 3f)
4.4 Einbindung von Schulen und Vereinen
Aufgrund von Lockdowns und weiteren Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, war vielerorts Schwimmunterricht in Schulen und Vereinen nicht mehr möglich. Dabei spielen Schulen und Schwimmvereine eine wichtige Rolle bei der Schwimmausbildung. Eine engere Zusammenarbeit zwischen diesen Institutionen kann dazu beitragen, mehr Kindern Zugang zu Schwimmkursen zu verschaffen.
„Damit jedes Kind gemäß den Bildungsplänen der Länder am Ende der Grundschule sicher schwimmen kann, braucht es aber auch mehr Lehrerinnen und Lehrer, die diese Kinder ausbilden können. Da die Schulen alle Kinder erreichen, ließe sich mit dem flächendeckenden Schwimmunterricht auch verhindern, dass Menschen aus armen Verhältnissen und auch Menschen mit Migrationshintergrund häufiger nicht schwimmen können. (Vogt, 2023)“
5. Fazit und Ausblick
Der SchwimmlehrerInnen-Mangel in Deutschland ist ein großes Problem, das sowohl kurzfristige als auch langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung und die Sicherheit von Kindern hat. Die Ursachen liegen in strukturellen Problemen, pandemiebedingten Folgen und der geringen Attraktivität des Berufs. Ohne gezielte Maßnahmen wie die Verbesserung der Infrastruktur, die Förderung der SchwimmlehrerInnen-Ausbildung und die Unterstützung von Schwimmbädern droht Deutschland langfristig zum Land der Nichtschwimmer zu werden. Investitionen in die Schwimmbäder-Infrastruktur und die Anerkennung der Wichtigkeit von SchwimmlehrerInnen, vor allem den Ehrenamtlichen, sind entscheidend um die Situation zu verbessern. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Schulen, Vereinen und politischen Entscheidungsträgern ist notwendig um allen Kindern die Chance zu geben Schwimmen zu lernen.
Literaturverzeichnis
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- Repräsentative Bevölkerungsbefragung von forsa: Schwimmfähigkeit der Bevölkerung 2022 [online]. DLRG. [Zugriff am 09.12.2024]. Verfügbar unter: https://www.dlrg.de/informieren/die-dlrg/presse/schwimmfaehigkeit/
- Cornelsen. 2023. Schwimmen nicht mehr auf dem Stundenplan? [online]. wuv.de. [Zugriff am 04.12.2024]. VerfĂĽgbar unter: https://www.wuv.de/marketing/ikea_testet_ein_neues_shopkonzept.
- Krabbe, Marcel. 2024. Informationen zum Thema Schwimmlehrermangel in Hamburg im Elementarbereich (Kinder, 3-6 Jahre). [E-Mail, siehe Anhänge]. Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft Landesverband Hamburg e.V.
- Kroll, Tom. 2022. Nase zu und durch [online]. Zeit Online. [Zugriff am 04.12.2024]. VerfĂĽgbar unter: https://www.zeit.de/2022/27/hamburg-schwimmen-rettungsschwimmer-mangel.
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- Ruf, Christoph. 2023. Ausgeschwommen [online]. Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. [Zugriff am 04.12.2024]. Verfügbar unter: https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/ausgeschwommen .
- Schneckenburger, Daniela; Dr. Vorholz, Irene; Lübking, Uwe. 2023. Öffentliche Anhörung des Sportausschusses am 25. Januar 2023 zum Thema „Schwimmen und Schwimmbäder in Deutschland: Status quo, Herausforderungen und Perspektiven“ [online]. PDF. [Zugriff am 04.12.2024]. Verfügbar unter: https://www.bundestag.de/resource/blob/929946/dd8ccc993328b3616955f94c1f7dd3b0/230125-BV.pdf
- Trauthig, Julian. 2014. Deutschland plant den Untergang [online]. Frankfurter Allgemeine. [Zugriff am 04.12.2024]. VerfĂĽgbar unter: https://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/schwindende-schwimmkompetenz-deutschland-plant-den-untergang-13152077.html.
- Vogt, Ute. 2023. Sitzung des Sportausschusses zum Thema „Schwimmen und Schwimmbäder in Deutschland: Status quo, Herausforderungen und Perspektiven“ [online]. PDF. [Zugriff am 04.12.2024]. VerfĂĽgbar unter:  https://www.bundestag.de/resource/blob/930086/b0c1f99929b8e9748c3b8c3ec4d484cb/230125-DLRG.pdfÂ