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Inhaltsverzeichnis

Vorstellung

Zu Gast als Expertin war Kirsten C.. Sie arbeitet als Sonderpädagogin an der Elbschule in Hamburg. Die Elbschule ist ein Bildungszentrum für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen im Bereich Hören. Ursprünglich war die Schule eine klassische Sonderschule für Hörgeschädigte, inzwischen ist sie erweitert und in verschiedene Abteilungen gegliedert, darunter lautsprachlicher Unterricht, bilingualer Unterricht (Deutsche Gebärdensprache und Lautsprache) sowie Inklusionsarbeit. Kirsten C. studierte Sonderpädagogik, mit zwei Fachrichtungen, und hat ihr Referendariat an einer entsprechenden Förderschule absolviert. Dies kann in Hamburg oder anderen Bundesländern erfolgen.

Tätigkeitsfeld und Kompetenzen

Zentrale Kompetenzen sind Offenheit, kommunikative Fähigkeiten, Empathie und die Bereitschaft, sich auf unterschiedliche Kommunikationsformen einzulassen. Gebärdensprachkompetenzen sind ein großer Vorteil, aber nicht zwingend Voraussetzung, sofern man offen ist, diese zu erwerben. Didaktische Flexibilität, fundiertes Wissen über Sprachentwicklung und der Umgang mit technischen Hilfsmitteln (Hörgeräte, Cochlea-Implantate) sind ebenfalls wichtig. Didaktik und Methodik sind an der Elbschule stark individualisiert. Klassen sind kleiner, Lernmaterial wird stark visualisiert, Inhalte werden in langsamerem Tempo präsentiert, um Kommunikation zu erleichtern. Es werden viele visuelle Hilfen, Gebärden, technische Unterstützungen sowie individualisierte Förderpläne eingesetzt. Die Weiterentwicklung erfolgt über interne Fortbildungen, fachspezifische Workshops und kollegiale Beratungen. Beratungs- und Inklusionsfortbildungen sowie systemische Weiterbildungen sind ebenfalls hilfreich.

Tagesablauf und konkrete Arbeitsaufgaben

Ein typischer Tag beginnt mit Unterricht in kleineren Klassen (max. 15 Kinder, in Gebärdenklassen oft nur 8), gefolgt von individueller Förderung, Beratung von Kindern und Eltern sowie multiprofessionellen Teamsitzungen. Zum Tagesablauf gehört auch das Erstellen von Förderplänen, die Durchführung von Hörtests (an der schuleigenen Audiologie), Elterngespräche, Teamabsprachen und Teilnahmen an Konferenzen. Das Team ist multiprofessionell aufgestellt: Neben Lehrkräften gibt es Erzieher:innen, Sozialpädagog:innen, Logopäd:innen, Ergotherapeut:innen, Physiotherapeut:innen, gehörlose Kolleg:innen und pädagogisches Fachpersonal. Die Zusammenarbeit erfolgt in Teamsitzungen, Konferenzen und durch informellen Austausch. Wichtig ist eine offene Kommunikation und die Bereitschaft, voneinander zu lernen. Der Unterricht ist stark visuell ausgerichtet, es wird mit Gebärden, schriftlichen Darstellungen, technischen Hilfsmitteln (FM-Anlagen, akustisch optimierten Räumen) und individuellen Wochenplänen gearbeitet. Die Lerngruppen sind kleiner, es gibt mehr Individualisierung und ein klareres Kommunikationsmanagement (nicht gleichzeitig sprechen und schreiben, Raumakustik optimieren, auf Sichtkontakt achten). Individuelle Förderung erfolgt durch kleine Gruppen, den Einsatz von Erzieher:innen, pädagogischem Fachpersonal, Sonderpädagog:innen, gezielte Materialien, Wochenpläne und durch die Anpassung des Lerntempos. Die individuelle Hörsituation wird berücksichtigt, Hörpausen können ermöglicht werden. Auch Gebärden, Visualisierungen und technische Hilfsmittel spielen eine Rolle, um den unterschiedlichen Sprachniveaus gerecht zu werden.

Einblicke für angehende Erzieher:innen

Wichtige Fertigkeiten sind Offenheit, Empathie, die Fähigkeit zur Kommunikation auf verschiedenen Ebenen (verbal, nonverbal, visuell), Kenntnisse in Sprachentwicklung und grundlegende didaktische Fähigkeiten. Ebenso wichtig ist die Bereitschaft zur Teamarbeit, Flexibilität und ein sensibles Verständnis für die Bedürfnisse der Kinder. Zusätzliche Qualifikationen in Gebärdensprache oder Fortbildungen in lautsprachunterstützender Gebärde, Grundkenntnisse in Audiologie, systemische Beratungsfortbildungen sowie Schulungen zu Inklusion und individueller Förderung sind ebenfalls erwünscht. Hospitationen ermöglichen Einblicke in die besondere Arbeitsatmosphäre, die methodisch-didaktische Vielfalt und die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Erzieher:innen die sich für diese spezielle Schulform entscheiden sollten offen dafür sein, neue Kommunikationsformen kennenzulernen und reflektieren, wie wichtig Visualisierung und klare Kommunikationsregeln sind, und sich auf individuelle Bedürfnisse der Kinder einlassen. Die Elbschule bietet auch Fortbildungen für Erzieher:innen an, da diese aber oft nicht freigestellt werden können, werden diese auch online angeboten. Für weitere Informationen, soll man sich direkt an die Elbschule wenden.

Praktische Erfahrungen, Anerkennungsjahr und Vergütung

Das Anerkennungsjahr an der Elbschule ist grundsätzlich möglich, jedoch oft von vorhandenen Stellen und personellen Ressourcen abhängig. Es muss im Vorfeld mit der Schulleitung abgestimmt werden. Die Bezahlung erfolgt über die Schulbehörde und richtet sich nach den offiziellen Vorgaben. Eine Vergütung ist möglich, wenn eine entsprechende Stelle vorhanden ist. Detaillierte Angaben sind von der Schule oder Behörde direkt zu erfragen.Praktika sind grundsätzlich möglich, allerdings wünscht sich die Schule von Praktikant:innen eine gewisse Gebärdenkompetenz oder zumindest ein grundlegendes Interesse daran. Die Verfügbarkeit von Praktikumsplätzen ist von der Schulleitung abhängig. Die Elbschule organisiert auch ihre Ferienbetreuung selbst. Auch dort ist ein Einsatz möglich, allerdings sind Ferienpraktika nicht immer umsetzbar. Wenn, dann können Praktikant:innen die Kinder im Freizeitbereich begleiten, Angebote gestalten und so den Alltag mitgestalten. Dies sollte vorher mit der Schulleitung abgeklärt werden.

Herausforderungen und Vorteile der Arbeit in der Elbschule

Herausfordernd sind die vielfältigen Kommunikationsbedürfnisse der Kinder, das Anpassen der Unterrichtsinhalte an unterschiedliche Hörniveaus, die Koordination von technischen Hilfsmitteln sowie die interdisziplinäre Abstimmung. Zudem gibt es organisatorische Themen wie Fahrdienste, Elternarbeit bei langen Anfahrtswegen und die Zusammenarbeit mit vielen externen Stellen. Die Arbeit ist sehr individuell und persönlich. Kleine Lerngruppen ermöglichen intensivere Beziehungsgestaltung und individuelle Förderung. Die Schule ist zudem sehr gut ausgestattet, mit Audiologie vor Ort und multiprofessionellen Teams, was eine fachlich anspruchsvolle und abwechslungsreiche Arbeit ermöglicht.

Persönliche Erfahrungen und Empfehlungen

Prägend sind die individuellen Erfolgserlebnisse der Kinder, wenn sie trotz ihrer Beeinträchtigung Sprache erwerben, soziale Kontakte knüpfen oder selbstbewusst mit ihrer Hörbehinderung umgehen lernen. Auch die Beratung von Eltern, die oft verunsichert oder in Trauer sind, hat starken Einfluss auf die berufliche Entwicklung. Speziell darauf bezogen sind Beratungskompetenzen, insbesondere systemische Beratung, wichtig, um besser mit Eltern und komplexen Familiensituationen umgehen zu können. Auch mehr praktische Vorbereitung auf den Umgang mit technischen Hörhilfen und multiprofessionellen Teams ist sehr hilfreich.

Gehalt und Arbeitsbedingungen

Die Bezahlung erfolgt nach den Vorgaben der Schulbehörde, analog zu anderen staatlichen Schulen in Hamburg. Es gibt tarifliche Regelungen, Lehrkräfte und pädagogisches Fachpersonal werden je nach Qualifikation eingruppiert. Zusätzlich gibt es interne Fortbildungsangebote, etwa in Gebärdensprache. Ansonsten gelten die Regelungen der Schulbehörde. Besondere Benefits wie flexible Arbeitszeiten sind eingeschränkt, da es sich um eine staatliche Schule handelt. Jedoch ist die Schulleitung offen für Weiterbildungswünsche und unterstützt individuelle Qualifizierungen.

Eltern- und Familienarbeit

Elternarbeit ist zentral. Die Eltern werden früh beraten, ab dem Neugeborenen-Hörscreening. Es gibt Elterngespräche, Lernentwicklungsgespräche, Elternabende und individuelle Beratungssettings. Eine enge Zusammenarbeit ist wichtig, um die häusliche Umgebung auf die Bedürfnisse des Kindes abzustimmen. Herausfordernd ist, dass manche Eltern selbst keine Gebärdensprache lernen möchten oder können. Es kommt vor, dass die Eltern die Hörschädigung des Kindes nur schwer akzeptieren. Die Kommunikation muss dann oft über Dolmetscher oder sehr einfache Gebärden laufen. Offenheit, Geduld und klärende Beratungsgespräche sind hier essentiell, um Missverständnisse zu vermeiden und eine konstruktive Zusammenarbeit aufzubauen.