Enwicklungstheorien
Sigmund Freud – Psychosexuelle Entwicklung
Freud sagt, dass Kinder ihre Persönlichkeit in fünf Phasen bilden: Oral, Anal, Phallisch, Latenz und Genital. In jeder Phase steht ein Körper-Bereich im Mittelpunkt (z. B. Mund beim Baby). Wie gut ein Kind die Phasen meistert, prägt späteres Verhalten und Gefühle.
Pierre Bourdieu – Habitustheorie
Der „Habitus“ ist das ganz typische Denken, Fühlen und Handeln, das wir wie automatisch zeigen. Er entsteht durch unsere Familie, Schule, Freunde und die Gesellschaftsschicht. So erklärt Bourdieu, warum Menschen oft ähnliche Wege gehen wie ihre Eltern.
Robert Havighurst – EntwicklungsÂaufgaben
Havighurst meint, dass es in jedem Lebensabschnitt (Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter, Alter) Aufgaben gibt, die man bewältigen sollte – zum Beispiel Laufen lernen, Freundschaften schließen oder eine Arbeit finden. Gelingt das, fühlt man sich zufrieden; wenn nicht, kann es Probleme geben.
Noam Chomsky / B. F. Skinner (Spracherwerb)
Skinner glaubt: Kinder lernen Sprache, weil Eltern sie dafür loben – also durch Belohnung (Behaviorismus).
Chomsky hält dagegen: Kinder haben ein angeborenes „Sprach-Modul“ im Gehirn, darum erfassen sie Grammatik fast von selbst. Heute nimmt man an, dass beide Seiten wichtig sind – Umwelt und Anlage.
Lew (Vygotsky) – Soziokulturelle Theorie
Vygotsky betont, dass Kinder durch Gespräche, gemeinsames Handeln und kulturelle Werkzeuge (z. B. Sprache, Zahlen) lernen. Ältere helfen Jüngeren in der „Zone der nächsten Entwicklung“ – sie geben gerade so viel Unterstützung, wie das Kind braucht, um Neues zu schaffen.
Carl Rogers – PersonÂlichkeitsÂtheorie
Rogers sagt: Jeder Mensch strebt nach Wachstum und SelbstÂverwirklichung. Wichtig dafĂĽr sind echte Wertschätzung, Ehrlichkeit und EinfĂĽhlung durch andere („positive Wertschätzung“). Werden wir so akzeptiert, entwickeln wir ein gesundes Selbstbild und handeln frei.
Kuno Beller – EntwicklungsÂtabellen
Beller stellte übersichtliche Tabellen zusammen, die zeigen, was Kinder in Bereichen wie Motorik, Sprache oder Sozialverhalten typischerweise können – Monat für Monat. Eltern und Fachkräfte nutzen sie, um die Entwicklung zu beobachten und früh Hilfen anzubieten.
Urie Bronfenbrenner – Ökologische Systemtheorie
Entwicklung geschieht in verschachtelten Umwelten:
- Mikro: Familie, Freunde, Schule.
- Meso: das Zusammenspiel dieser Orte.
- Exo: indirekte Umwelten (Arbeitsplatz der Eltern).
- Makro: Kultur, Gesetze.
Alle Ebenen wirken zusammen und ändern sich ĂĽber die Zeit. Lawrence Kohlberg – MoralÂentwicklung
Kohlberg unterscheidet drei Stufen:
- Vormoralisch: Gut ist, was Strafe vermeidet oder Belohnung bringt.
- Konventionell: Gut ist, was andere erwarten oder was Regeln sagen.
- Postkonventionell: Menschen folgen selbst gewählten moralischen Prinzipien, auch wenn sie Regeln widersprechen.
Jean Piaget – Kognitive Entwicklung
Kinder denken anders als Erwachsene und durchlaufen vier Stufen: Sensumotorisch (0-2 J.), Prä-operational (2-7), Konkret-operational (7-11) und Formal-operational (ab 11). Jede Stufe bringt neue DenkÂfähigkeiten, z. B. logisches Denken oder abstrakte Begriffe. Erik Erikson – Psychosoziale Entwicklung
Erikson beschreibt acht Lebensphasen, in denen jeweils ein Konflikt gelöst werden muss (z. B. „Urvertrauen vs. Misstrauen“ im ersten Jahr, „Identität vs. Rollendiffusion“ in der Jugend). Erfolg führt zu Stärke, Misserfolg zu Schwierigkeiten, kann aber später aufgeholt werden. Albert Bandura – Sozial-kognitive Theorie (Modelllernen)
Bandura zeigt, dass Menschen durch Beobachtung lernen. Sehen wir, wie andere Erfolg haben oder belohnt werden, ahmen wir ihr Verhalten nach (Bobo-Doll-Experiment). Entscheidend sind Aufmerksamkeit, Erinnerung, NachÂmachÂbarkeit und Motivation. Pawlow, Thorndike, Skinner – Lerntheorien
- Klassische Konditionierung (Pawlow): Ein neutraler Reiz (Glocke) wird mit einem natürlichen Reiz (Futter) gekoppelt, bis er allein die Reaktion (Speichel) auslöst.
- Operante Konditionierung (Thorndike, Skinner): Verhalten wird durch Konsequenzen geformt – Belohnung verstärkt, Strafe verringert es. So lernen wir neue Handlungen oder legen alte ab.
Jürgen Habermas – Identitätstheorie
Habermas meint, dass unsere Identität in Gesprächen mit anderen entsteht. Wenn wir miteinander reden, prüfen wir ständig:
- Verständlichkeit – Habe ich mich klar ausgedrückt?
- Wahrheit – Stimmt, was ich sage?
- Aufrichtigkeit – Meine ich es ehrlich?
- Richtigkeit – Ist es fair gegenüber allen? Gelingt dieser Austausch, fühlen wir uns anerkannt und können ein stabiles „Ich“ entwickeln. Scheitert er, entsteht Unsicherheit über uns selbst. Kurz: Identität wächst durch offenen, ehrlichen Dialog in der Gemeinschaft.